Unsere vor einem Jahr gestartete Kampagne «Öl tötet» soll unsere Abhängigkeit vom Erdöl sichtbar machen, und gleichzeitig wollen wir aufzeigen, dass es Alternativen gibt.
Unsere Methode ist der gewaltfreie Widerstand nach Martin Luther King. Der Ansatz besteht darin, die für eine Ungerechtigkeit verantwortlichen Akteure zu identifizieren, ihnen eine Dilemma-Forderung zu unterbreiten, um die Voraussetzungen für einen Wandel zu schaffen, sowie Aktionen durchzuführen, um Druck auszuüben und Verhandlungen zu ermöglichen.
Im September 2025 forderten wir die 13 grössten Erdöl-Vertriebsunternehmen der Schweiz (Avia, Socar, Coop Pronto, Migrol, Jubin Frères, Tamoil, Volenergy, Shell, Eni, Combustia, Agrola, Scall, ECSA) in einem Schreiben dazu auf, die Wahrheit über ihre klimaschädlichen Aktivitäten zu sagen und an jeder Zapfsäule einen klaren und gut sichtbaren Klimawarnhinweis anzubringen, ähnlich wie die Gesundheitswarnungen auf Zigarettenpackungen.
Erster Erfolg
Als Folge dieser Schreiben, unseres offenen Briefs und unseren Aktionen an den Hauptsitzen der betroffenen Unternehmen sowie an deren Tankstellen, ist es uns gelungen, einen Dialog mit sieben Vertriebsunternehmen und dem Dachverband Avenergy (ehemals Erdölvereinigung), der wichtigsten Erdöl-Lobby in der Schweiz, in Gang zu bringen. Trotz einer für ihr Geschäft ungewöhnlichen und beunruhigenden Forderung haben sie sich entschieden, das Gespräch mit uns aufzunehmen.
Keines der Unternehmen, mit denen wir uns getroffen haben, leugnet die Klimaerwärmung – und angesichts der zunehmenden Klimaskepsis ist das eigentlich beruhigend. Alle erkennen die Notwendigkeit einer Energiewende an. Bei unseren Treffen drehte sich die Debatte daher nicht um die Existenz des Problems, sondern um die Verantwortung jedes Einzelnen, die zu bevorzugenden Lösungen und das Tempo, mit dem wir handeln müssen.
Wenn es jedoch darum geht, einen Schritt weiter zu gehen – nämlich an den Verkaufsstellen von Benzin über die verheerenden Auswirkungen des Erdöls zu informieren und einen Klimawarnhinweis anzubringen –, werden unsere Sticker nach wie vor weitgehend abgelehnt. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Argumente aufgelistet, mit denen die Erdlölhändler diese Ablehnung und ganz allgemein ihre Untätigkeit im Bereich des Klimaschutzes rechtfertigen.
Argumente der Erdölindustrie zur Rechtfertigung ihrer Untätigkeit im Klimaschutz
«Wir tun bereits viel.» Investitionen in Ladestationen, Strom aus erneuerbaren Energien, Biokraftstoffe, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe, Emissionsreduktionsziele oder sogar der Ausgleich von CO₂-Emissionen: Jedes Unternehmen präsentiert seine Strategie und seine Investitionen, um zu zeigen, dass es sich für den Klimaschutz einsetzt. Manche weisen sogar darauf hin, dass sie erhebliche finanzielle Risiken eingehen, um die Energien der Zukunft zu entwickeln. So können sie ihr Image «grüner» färben, während sie die verheerenden Auswirkungen ihrer Tätigkeit verschweigen!
«Wir können ein globales Problem nicht alleine lösen.» Manche Unternehmen betonen, dass Interventionen an ihren Tankstellen das Problem der Klimaerhitzung nicht lösen können. Andere schieben einen Teil der Verantwortung auf die Politik, die Verbraucher:innen oder die rechtlichen Rahmenbedingungen, um ihre Untätigkeit zu rechtfertigen. Das Problem ist global, die Verantwortung liegt bei allen … also nicht bei uns!
«Wir können das nicht als die Einzigen tun.» Viele Unternehmen befürchten, gegenüber ihren Mitbewerbern ins Hintertreffen zu geraten. Einige wünschen sich, dass sich alle Unternehmen an einer gemeinsamen Initiative beteiligen. Kurz gesagt: Wandel ja, aber auf keinen Fall als Erste das Risiko eingehen.
«Ihre Sticker sind zu negativ.» Die Formulierungen werden als extrem, provokativ oder anklagend empfunden. Ein Unternehmen befürchtet, dass sich die Kund:innen von seinen Tankstellen abwenden könnten; ein anderes will keine Angst schüren. Selbst diejenigen, die das Prinzip einer Warnung akzeptieren, wünschen sich eine positivere Botschaft, die Alternativen in den Vordergrund stellt. Der Widerstand besteht also weniger darin, über das Klima zu sprechen, als vielmehr darin, direkt an der Zapfsäule auf den Zusammenhang zwischen dem verkauften Produkt und seinen verheerenden Folgen für uns alle hinzuweisen.
«Die Alternativen sind nicht ausgereift.» Mehrere Gesprächspartner stellen die Elektromobilität in Frage und verweisen dabei insbesondere auf den Abbau von Lithium, die Herstellung und Entsorgung von Batterien sowie die Grenzen der Infrastruktur. Manche befürworten stattdessen flüssige alternative Kraftstoffe, HVO oder synthetische Kraftstoffe. Eine zwar berechtigte Debatte, die jedoch als Vorwand dient, um den Ausstieg aus fossilen Energien hinauszuzögern, und bewusst die notwendige Reduzierung unseres Verbrauchs ausklammert.
Und dann ist da noch «der Markt». Manche Lösungen sind noch nicht rentabel, die Nachfrage ist unzureichend, die Investitionen sind beträchtlich und die Infrastruktur ist kostspielig. Selbst Technologien, in die Unternehmen massiv investiert haben, schreiben noch rote Zahlen. Kurz gesagt: Der Wandel ist notwendig, aber er muss rentabel sein, von den Verbraucher:innen nachgefragt werden, von der Politik unterstützt und wettbewerbsfähig sein …
Nach einem Jahr der Verhandlungen bleibt daher eines haften: Imaginäre Lösungen, fadenscheinige Ausreden, die Abwälzung von Verantwortung und eine bedingungslose Unterwerfung unter die Gesetze des Kapitals – alles ist recht, um den Status quo aufrechtzuerhalten und eine Industrie weiterzuführen, die direkt für die globale Klimaerhitzung und Millionen zusätzlicher Todesfälle pro Jahr verantwortlich ist.
Angesichts dieser Verweigerung Verantwortung anzuerkennen und zu übernehmen, werden wir den Druck auf gewaltfreie Weise weiter erhöhen, um die Erdöl-Lobby dazu zu bringen, die Wahrheit über die Auswirkungen ihrer Aktivitäten zu sagen.






























