Dieses Jahr werden wir alle drei Monate Neuigkeiten über unsere Bewegung act now! sowie über Klima- und Sozialthemen im Zusammenhang mit Aktivismus weltweit verschicken. Sie erhalten diese E-Mail, weil Sie in der Vergangenheit Interesse an diesen Themen gezeigt haben. Wir hoffen, dass diese Informationen auf Ihr Interesse stossen. Sie können sich jederzeit von dieser Mailingliste abmelden, indem Sie an presse@weactnow.ch schreiben.
Klimaforschung und Sozialforschung
Der Einfluss sozialer Bewegungen auf gesellschaftlichen Wandel
Ein aktueller Literaturüberblick des Climate Emergency Fund beleuchtet die Wirksamkeit gewaltfreier Proteste, um gesellschaftlichen Wandel anzustossen. Die Zusammenstellung von Studien aus den letzten 20 Jahren im Bericht zeigt, dass gewaltfreie Aktionen im öffentlichen Raum (Demonstrationen, ziviler Ungehorsam) dazu beigetragen haben:
- CO₂-Emissionen zu reduzieren (USA),
- das Bewusstsein für die Klimakrise zu schärfen (Deutschland, Grossbritannien)
- das Wahlverhalten zugunsten des Klimaschutzes zu beeinflussen (Deutschland, USA)
- die Unterstützung für Klimaschutzorganisationen zu erhöhen (Grossbritannien),
- Umweltgesetze durchzusetzen (USA, Europa),
- Projekte zur Förderung fossiler Energien zu stoppen.
Der Bericht analysiert auch, wie soziale Bewegungen Veränderungen herbeiführen: durch Bewusstseinsbildung, Verhaltensänderungen sowie politische und gesetzliche Fortschritte.
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Studie über die Wirkung radikaler Aktionen auf die Unterstützung durch moderate Gruppen
Eine im Oktober 2024 in Nature Sustainability veröffentlichte Studie untersucht die Auswirkungen radikaler, gewaltfreier Aktionen auf die öffentliche Unterstützung für gemässigte Klimaschutzorganisationen. Die Forscherinnen und Forscher führten eine repräsentative und gross angelegte Meinungsumfrage in Grossbritannien durch, nachdem die Bewegung Just Stop Oil eine Welle von Aktionen des zivilen Ungehorsams gestartet hatte.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Aktionen, obwohl sie kontrovers waren, die Unterstützung für gemässigtere Organisationen (wie Friends of the Earth) durch einen Mechanismus verstärkt haben, der als "radikaler Flankeneffekt" bezeichnet wird. Weil radikale Gruppen moderatere Organisationen „vernünftiger“ erscheinen lassen, können sie die öffentliche Identifikation und Unterstützung für weniger störende Teile der Klimabewegung erhöhen.
👉 Zur vollständigen Studie
Die Klimabewegung weltweit
Repression gegen Klimaproteste: ein beunruhigender Trend
Ein Bericht der Universität Bristol untersucht die zunehmende Repression gegen Klimaaktivist:innen in 81 Ländern. Dieser Trend zeigt sich in neuen Antiprotestgesetzen, Kriminalisierung durch die Justiz, Polizeigewalt, Morden und Verschwindenlassen.
Einige Beispiele weltweit:
- In der Schweiz wurde im Kanton Zürich im März 2024 der Gegenvorschlag zur Anti-Chaoten-Initiative angenommen.
- In Italien wurden Aktivist:innen von Ultima Generazione zu exorbitanten Geldstrafen von 20’000 Euro verurteilt, weil sie Papier auf das Schutzglas eines Botticelli-Gemäldes geklebt hatten.
- In Grossbritannien wurden 2024 32 Unterstützer:innen von Just Stop Oil inhaftiert, von denen 21 noch immer in Haft sind.
- In Brasilien wurden zwischen 2012 und 2023 insgesamt 401 Umweltaktivist:innen ermordet.
- Diese zunehmende Kriminalisierung gefährdet nicht nur die Demokratie, sondern auch die Umsetzung dringend notwendiger Klimapolitik.
👉 Bericht lesen
Neuigkeiten von act now!
Strategische Neuausrichtung
Die Bewegung act now! hat Ende des letzten Jahres einen Kurswechsel angekündigt: Statt auf das Handeln der Regierung zu warten, erweitert sie ihre Strategie um gemeinschaftsbasierte Initiativen und Lösungen durch Selbstorganisation, während sie weiterhin gewaltfreie Aktionen verfolgt.
👉 Lesen Sie die neue Strategie
Leseempfehlung
Das 2020 veröffentlichte Buch Healing Resistance von Kazu Haga ist eine wichtige Inspirationsquelle für die Aktivist:innen von act now! In diesem Buch untersucht Kazu Haga, wie Gewaltfreiheit sowohl eine Strategie für sozialen Wandel, eine Lebensphilosophie als auch ein persönlicher Heilungsprozess sein kann. Inspiriert von den Lehren Martin Luther Kings zeigt Haga, wie Gewaltfreiheit Gewaltkreisläufe durchbrechen, Versöhnung fördern und widerstandsfähige und gerechte Gemeinschaften aufbauen kann. Die neue Strategie von act now! orientiert sich stark an diesen Theorien.
Neues Trainingsprogramm
Im Februar startet act now! ein Trainingsprogramm in Zusammenarbeit mit dem Connecticut Center in Nonviolence. Die Themen sind
- Strategie und Philosophie von Gewaltfreiheit
- strategische Kommunikation und Selbstorganisation
- Organisation von Aktionen
- Community Building
Das Programm steht allen offen und wird im ersten Durchgang von über 30 Teilnehmenden aus der gesamten Schweiz besucht werden.
👉 Vollständiges Programm ansehen
Wenn Sie über dieses Projekt berichten möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter presse@weactnow.ch.
Gerichtsverfahren und Strafen im Zusammenhang mit Klimaschutzmassnahmen
Die rechtlichen Folgen von Aktionen sind nach wie vor besorgniserregend. Die Strafen variieren je nach Region und Fall. Für die gleiche Aktion am Gotthard können die Sanktionen von einer Busse von 20 Franken (vor Ort zu bezahlen) bis zu einer Verurteilung wegen Nötigung (Art. 181 StGB) mit einer Busse von über 1000 Franken reichen.
Am 11. Dezember 2024 wurden Marie G. und Moritz Bischof vom Genfer Kantonsgericht in zweiter Instanz verurteilt, im Zusammenhang mit einer Aktion auf dem Pont du Mont-Blanc im Oktober 2022. Besonders beunruhigend ist, dass das Demonstrationsrecht, die Meinungsfreiheit und die Dringlichkeit der Botschaft von der Gerichtsinstanz nicht berücksichtigt wurden.
Der nächste Prozess findet am 11. Februar 2025 um 8.30 Uhr vor dem Bezirksgericht Freiburg statt. Dort werden sich mehrere Aktivist:innen für ein Sit-in im Dezember 2023 verantworten müssen. Wenn Sie den Prozess besuchen möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter presse@weactnow.ch.
Kommende Aktionen
Ab Februar organisiert act now! ein Projekt mit Aktionen und Online-Treffen zum Thema Klimakatastrophen in der Schweiz. Ziel ist es, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, die Diskussion über die Folgen des Klimawandels in unserem Land zu lancieren und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Für weitere Informationen zu diesem Projekt kontaktieren Sie uns bitte unter presse@weactnow.ch.
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